Mit dem Wort „Familie“ ist eine Zugehörigkeitsbeziehung formuliert, die in ihren Ausgestaltungen sehr divers sein kann. Gleichzeitig stellt eine sehr spezifische Form davon ein Nukleus des abendländischen Konzepts von Sozialität und Gemeinschaft dar, von dem aus Prinzipien des Rechts und der Moral, der Gesundheit und der Normalität, der Zeitlichkeit und Sinngebung ausformuliert wurden. Ausgehend von einer psychoanalytischen Perspektive umkreist das Seminar entlang von Schlüsseltexten und Beispielen aus Kunst und Kultur die Idee der Familie in ihren Potenzialen und Grenzen. Hintergrund des Seminars ist das für 2025 geplante Themenjahr „System Familie“ im Humboldt Forum.

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Das Seminar findet im Humboldt Forum statt (Ort: Schnecke im Humboldt Forum)

Adresse: Schlossplatz (bei Hausnummer 1)


Semester: WiSe 2023/24

Aus Perspektive der Naturwissenschaften sind Feuer, Wasser, Erde oder Luft keine Elemente, sondern unscharfe Begriffe für sehr unterschiedliche Molekül- oder Stoffverbindungen. Gleichwohl sind sie im Alltagsdiskurs omnipräsent und auch in nahezu allen wissenschaftlichen Disziplinen von heuristischer Relevanz. Die Vorlesung umkreist die damit verbundenen Potenziale für den inter- und transdisziplinären Austausch im Zusammenspiel szientifischer Erkenntnisse und ästhetischer Konzepte in Kunst und Kultur von der Literatur über Performances bis hin zur Videokunst. Die Vorlesung steht vor dem Hintergrund einer mehrjährigen Ausstellungsreihe zum Thema im Humboldt Labor im Humboldt Forum.

Semester: WiSe 2023/24

In Ergänzung zu der Vorlesung „Die (vier, fünf oder mehr) Elemente“ setzt sich das Seminar mit verschiedenen Konzepten und Vorstellungen von Wasser auseinander: als Lebensquelle, Ressource, Handelsgut, Politikum, Transportmittel, Drohung, Hoffnung. Sie bezieht dabei gleichermaßen chemische wie biologische, ethnologische, philosophische und ästhetische Perspektiven mit ein als Experiment eines fächerübergreifenden Denkens. Teil der gemeinsam erarbeiten Anhalte werden in eine Ausstellung des Humboldt Labors einfließen. Der Besuch der Vorlesung ist nicht Bedingung für die Teilnahme am Seminar.

Semester: WiSe 2023/24

Aktivierung des öffentlichen Raums im globalen Süden: Die Entfesselung einer Idee 

Herleitung, Ursprung, Auswirkung

Der öffentliche Raum wird in Europa seit der antiken Agora (Bürgerforum) einerseits als Ort der Zusammengehörigkeit und Identifikation, andererseits als Ort der Konfrontation und des Protests dargestellt. Die intensive Auseinandersetzung um seine angemessene Gestaltung und Symbolik ist als Seismograph für den Zustand einer Gesellschaft ein ständiges Diskussionsthema - vor allem in der Soziologie, der politischen Theorie, aber auch in der kritischen Geographie und den Urban Studies. In der Kunst hingegen wurde der öffentliche Raum traditionell eher als Referenz für ortsspezifische Kunstwerke oder Kunst im öffentlichen Raum verhandelt. Dies änderte sich erst mit dem sogenannten „social and spatial turn“ in den 1990er Jahren.  Eine weitere Zuspitzung und ein wachsendes Interesse am öffentlichen Raum als Ort der Agitation und Interaktion ist nach der großen Welle der Kapitalismuskritik im Zuge von "Occupy Wall Street" im Jahr 2011 zu beobachten.  Ziel des Seminars ist es, diese beiden Bewegungen zusammenzudenken und die Übertragbarkeit der Idee des öffentlichen Raums und europäischer Konzepte aktivistischer/künstlerischer Interventionen im öffentlichen Raum auf den globalen Süden zu überprüfen. Welche (Un-)Plausibilität dies in global gedachten Kontexten entfaltet, soll anhand von prominenten aktivistisch/künstlerischen Interventionen im außereuropäischen Raum (Occupy Now, Gezi, Arab Spring) untersucht werden.

Disentangling an Idea: Activating Public Space in the Global South 

Origins, Genesis, Impact

Since the ancient agora (citizens' forum), public space in Europe has been portrayed as a place of togetherness and identification on the one hand, and as a place of confrontation and protest on the other. As a seismograph for the state of a society, the intense debate about its appropriate design and symbolism is a constant topic of discussion - especially in sociology, political theory, but also in critical geography and urban studies. In art, by contrast, public space has traditionally been negotiated more as a reference to site-specific or public art. This only changed with the so-called 'social and spatial turn' in the 1990s.  A further intensification and growing interest in public space as a site of agitation and interaction can be observed after the great wave of critique of capitalism in the wake of 'Occupy Wall Street' in 2011.  The aim of the seminar is to think these two movements together and to examine the transferability of the idea of public space and European concepts of activist/artistic interventions in public space to the global South. The (im)plausibility of this in globally conceived contexts will be examined on the basis of prominent activist/artistic interventions in non-European spaces (Occupy Now, Gezi, Arab Spring).

Semester: WiSe 2023/24
Diesen Kurs in AGNES anzeigen.

Im Rahmen dieses Seminars beschäftigen wir uns mit Bildern und den mit ihnen verbundenen Praktiken der Erzeugung, Verbreitung und Festigung von Wissen in den Wissenschaften. Beginnend mit der Bedeutung von Diagrammen in der antiken Mathematik, über illustrierte Kräuterbücher der Renaissance, bis zu modernen bildgebenden Verfahren der Astronomie steht die wissensgenerierende Bedeutung des Bildes im Zentrum unserer Analyse. Dabei nimmt die Idee von Darstellung als Bindeglied zwischen künstlerischen und wissenschaftlichen Bildpraktiken einen wesentlichen Aspekt ein. Davon ausgehend werden wir theoretische Aspekte wie truth to nature oder Objektivität diskutieren. Die Bereitschaft zum Lesen englischsprachiger Texte ist Voraussetzung zur Teilnahme am Seminar.

Semester: SoSe 2023

Während Filme und Theaterinszenierungen etablierte Gegenstände universitärer Forschung darstellen, ist die Ausstellungskritik ein eher erratisches Genre, das überwiegend vom Feuilleton abgedeckt wird. Angesichts der besonderen Rolle, die dem Medium Ausstellung für trans- und interdisziplinäre Unternehmungen zukommt, ist dies ein Forschungsdesiderat. Die Übung setzt sich mit Beispielen der Ausstellungskritik sowie mit aktuellen Ausstellungen verschiedener Genres – vom Geschichts-, über das Technik- bis hin zum Kunstmuseum – auseinander und lotet die Kriterien für eine vergleichende wissenschaftliche Analyse und Kritik dieser Formen kultureller Produktion aus. Die gemeinsame Exkursion zu verschieden Ausstellungen ist ebenso Bestandteil der Lehrveranstaltung wie das Verfassen eigener Ausstellungskritiken.



Semester: SoSe 2023

Die mit dem Namen Humboldt verbundene Idee einer Gemeinschaft Lehrender und Forschender gilt als Prototyp der modernen Universität. Die Vielfalt der Fakultäten, Fächer und Abschlüsse stellt die Institution dabei seit geraumer Zeit ebenso vor Herausforderungen wie ihre finanziellen und politischen Abhängigkeiten. Das Seminar diskutiert Schlüsseltexte zur Idee der Universität von 1800 bis heute vor dem Hintergrund ihrer Aufgabe, Wissensproduktion, -verarbeitung und -rezeption zu steuern und darin zugleich „der Gesellschaft ein Bewusstsein ihrer selbst zu geben“ (Klaus Heinrich). Hierbei setzt sich das Seminar insbesondere mit der „Third Mission“ auseinander: als aktueller Auftrag an die Universität, den Wissenstransfer dauerhaft als dritte Säule neben Forschung und Lehre zu etablieren.


Semester: SoSe 2023
Semester: WiSe 2022/23

Der 2017 verstorbene Literaturwissenschaftler Werner Hamacher hat 1996 unter dem Titel „Ausstellungen der Mutter. Kurzer Gang durch verschiedene Museen“ eine kompakte Theorie des Museums als kultureller Ort vorgeschlagen. Von der Museologie bis heute weitgehend ignoriert, reagierten prominente Philosophen in eigenen Erwiderungen, die Hamacher zu einer umfangreichen Studie veranlassten, welche er nicht mehr fertigstellen konnte.

Das Seminar diskutiert Hamachers „Mutter Museum“ und die unedierten Ergänzungen „Vater“ und „Sohn“ in ihrer aktuellen Relevanz zum Verständnis der Bedeutung von Museen, auch vor dem Hintergrund eines sich verändernden Verständnisses von Geschlechtlichkeit.

Semester: WiSe 2022/23

Theorien haben die Aufgabe, Zusammenhänge zu erkennen oder vorzuschlagen, die die Realität anders wahrzunehmen erlauben. Die um 1900 von Sigmund Freud entwickelte Psychoanalyse ist eine solche – klinische – Theorie, die sehr schnell in den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Feldern Anwendung fand. Das Seminar diskutiert die Psychoanalyse als interdisziplinäre Kulturtechnik der Selbstdistanzierung und führt in die dafür grundlegenden Begriffe wie Trieb, Wiederholung, Trieb und das Unbewusste ein. Es orientiert sich dabei neben den Schriften Freuds an Jacques Lacans Seminar XI („Die vier Grundbegriffe der Psychoanalyse“), das als Lektüregrundlage dient.

Die Lehrveranstaltung wendet sich ausdrücklich an Studierende aller Fakultäten und setzt keine Vorkenntnisse der Psychoanalyse voraus.

Semester: WiSe 2022/23

Nach dem Stadtschloss und vor dem Humboldt Forum war der Palast der Republik. Von 1976 bis zum Ende der DDR war er sowohl Sitz der Volkskammer wie auch ein Kulturzentrum mit dem Anspruch, ein Ort für das ganze Volk zu sein. In Abstimmung mit dem Team „Palast der Republik“ der Stiftung Humboldt Forum entwickelt das Seminar eine Intervention, die den Potenzialen und Eigenheiten des Palasts der Republik als Ort des Gesellschaftsvertrags nachgeht.

 Von den Teilnehmer:innen des Seminars werden keine thematischen Vorkenntnisse erwartet, jedoch die Bereitschaft zum interdisziplinären und kuratorischen Arbeiten.

Semester: WiSe 2022/23

Nach dem Stadtschloss und vor dem Humboldt Forum war der Palast der Republik. Von 1976 bis zum Ende der DDR war er sowohl Sitz der Volkskammer wie auch ein Kulturzentrum mit dem Anspruch, ein lebendiger Ort des Gesellschaftsvertrags zu sein. Das transdisziplinäre Seminar geht der Idee und Realität des Palastes nach und erkundet die damit verbundenen Sozialutopien. Hintergrund der Lehrveranstaltung ist eine Zusammenarbeit des Helmholtz-Zentrums für Kulturtechnik mit der Stiftung Humboldt Forum, die sich ab Mai 2022 in mehrjährigen Projekten mit dem Palast der Republik auseinandersetzt. Das Seminar diskutiert hierfür die verschiedensten Aspekte und entwickelt kuratorische Projekte, die dann in Teilen auch realisiert werden können.

Das auf zwei Semester, jeweils vierstündig angelegte Seminar setzt die Bereitschaft zu theoretischer Auseinandersetzung wie praktischer Mitarbeit voraus und bietet die Gelegenheit, sich an kuratorischen Projekten aktiv zu beteiligen. Eine Teilnahme an beiden Semestern (SS 2022 und WS 2022/23) ist erwünscht, aber nicht Bedingung.


Semester: SoSe 2022

Nach dem langen Ende der großen Erzählungen und der steten Ausdifferenzierung disziplinär orientierten Wissens haben Begriffe wie Erde, Welt, „das Globale“ oder „das Planetarische“ heute erneut Konjunktur. Mit ihnen verbinden sich ebenso Deutungs- und Besitzansprüche wie die Demut vor Diversität und der Komplexität des ökologischen Gefüges. Die Vorlesung untersucht die verschiedenen Argumentationsweisen und Modelle in ihren epistemischen wie rhetorischen Zusammenhängen: in universitären Fachdisziplinen, in der Unterhaltungskultur, in den Welt-religionen und im Alltag.

Die Lehrveranstaltung knüpft an das Seminar „Die Welt retten“ des vergangenen Semesters an; dessen Besuch wird nicht vorausgesetzt.


Semester: SoSe 2022
Semester: WiSe 2021/22

Wie lassen sich komplexe Theorien veranschaulichen, und wie lassen sich Details darstellen, ohne sich in selbigen zu verlieren? Sich „im Denken orientieren“ (I. Kant) bedeutet auch, Überblick schaffende Abstraktionen und Hierarchien zu bilden. Begriffe wie „die“ Welt oder „der“ Raum sind solche Abstraktionen, die je und je in konkrete ästhetische und materielle Formen überführt werden müssen, um wirksam werden zu können. Das Blockseminar erprobt dieses Wechselspiel von Konkretion und Abstraktion in Form von Exkursionen, praktischen Raumexperimenten und Spielerfahrungen vor dem Hintergrund der Ausstellungsaktivitäten des Humboldt Labors im Humboldt Forum.

Das Seminar versteht sich als Ergänzung zu den beiden Lehrveranstaltungen „Der (Ausstellungs-)Raum“ (840096) und „Die Welt retten. Konzepte des Globalen in Theorie und Praxis“ (840095) und ist nur in Kombination mit mindestens einer dieser Veranstaltungen zu besuchen. In einer dieser Kombinationen ergibt sich ein vollständiges Modul à 5 LP.

Weitere Informationen zu Ablauf und Inhalt des Blockseminars werden in den via Zoom stattfindenden Orientierungssitzungen der oben genannten Seminare am 25.10 oder 26.10. gegeben.

Das Blockseminar wird in Präsenz im Kurssaal des Gerlachbaus am Campus Nord stattfinden.

Literatur zur Orientierung:

Dieter Claessens, Das Konkrete und das Abstrakte [1993]

Maurice Merleau-Ponty, Phänomenologie der Wahrnehmung [1945]


Semester: WiSe 2021/22

Zahlreiche theoretische Ansätze leiten den musealen Raum historisch her: aus der Kirche, aus der Kunst- und Wunderkammer, aus dem wissenschaftlichen Labor. Das Seminar kehrt diese Logik um und versteht den Ausstellungsraum als Nullform, der gegenüber alle anderen Raumkonzepte auf Einschränkungen der Handlungs- und Denkoptionen basieren. Vor diesem Hintergrund wird die Spezifik der verschiedenen Raumkonzepte aus philosophischer, architekturtheoretischer, soziologischer sowie kunst- und kulturgeschichtlicher Perspektive analysiert, um sich ex negativo dem Verständnis des white cube als Möglichkeitsraum und Ort des Gesellschaftsvertrags zu nähern. Teil der Lehrveranstaltung werden einige Exkursionen an exemplarische Kulturräume sein.

Das Seminar lässt sich entweder für 2 LP (ohne schriftlichen Abschlussessay) oder für 3 LP (mit schriftlichem Abschlussessay) belegen.

Für eine begrenzte Teilnehmer*innenzahl ist es möglich, die Lehrveranstaltung zusammen mit dem vierteiligen Blockseminar „Welt/Raum: Das Konkrete und das Abstrakte“ (840097) zu kombinieren. An Stelle einer schriftlichen Hausarbeit wird dann eine praktisch-räumlichere Arbeit als qualifizierend gewertet. Die Kombination der beiden Lehrveranstaltungen ergibt ein vollständiges Modul à 5 LP.

Die erste gemeinsame Orientierungs-Sitzung am 26.10. findet noch virtuell per Zoom statt. Zu allen folgende Sitzungen trifft sich das Seminar in Präsenz im Kurssaal des Gerlachbaus am Campus Nord.



Literatur: (Auswahl)

Tony Benett: Der bürgerliche Blick [2010]

Judith Butler: Anmerkungen zu einer performativen Theorie der Versammlung [2015]

Jacques Derrida: Chora [1990]

Georges Didi-Huberman: Die endlose Schwelle des Blicks [1999]

Brian O´Doherty: In der weißen Zelle [1996]

Jean-Louis Déotte: Das Museum ist kein Dispositiv [2010]

Marguerite Duras: Der Lastwagen [1997]

Boris Groys: Topologie der Aura [2003]

Hans Ulrich Gumbrecht: Crowds. Das Stadion als Ritual von Intensität [2020]

Stephan Günzel (Hg.): Texte zur Theorie des Raumes [2013]

Georges Perec: Träume von Räumen [1974]

Cornelia Vismann: Akten. Medientechnik und Recht [2000]

 

Filme:

R. Östlund: The Square [2017]

V. Natali: Cube [1997]

M. Duras: Le Camion [1977]

Semester: WiSe 2021/22

Von Urbi et Orbi bis zur Gaia-Theorie: Begriffe wie Erde, Welt, „das Globale“ oder „das Planetarische“ haben nicht erst heute Konjunktur. Mit ihnen verbinden sich ebenso Deutungs- und Besitzansprüche wie die Demut vor Diversität und der Komplexität des ökologischen Gefüges. Die damit verbundenen Konzepte suggerieren eine Ganzheit und Vollständigkeit und stellen darin eine Verbindung von Einzelerkenntnissen und narrativen Sinneffekten da, die sie in ein Verhältnis setzen, um handlungsleitende Überzeugungen zu befördern. Das Seminar diskutiert zentrale Texte, Bilder und ganz allgemein kulturelle Produktionen, die sich mit den ambivalenten Imaginationen des großen Ganzen auseinandersetzen.

Das Seminar lässt sich entweder für 2 LP (ohne schriftlichen Abschlussessay) oder für 3 LP (mit schriftlichem Abschlussessay) belegen.

Für eine begrenzte Teilnehmer*innenzahl ist es möglich, die Lehrveranstaltung zusammen mit dem vierteiligen Blockseminar „Welt/Raum: Das Konkrete und das Abstrakte“ (840097) zu kombinieren. An Stelle einer schriftlichen Hausarbeit wird dann eine praktisch-räumlichere Arbeit als qualifizierend gewertet. Die Kombination der beiden Lehrveranstaltungen ergibt ein vollständiges Modul à 5 LP.

Die erste gemeinsame Orientierungs-Sitzung am 25.10.21 findet virtuell per Zoom statt. Zu allen folgenden Sitzungen trifft sich das Seminar in Präsenz im Kurssaal des Gerlachbaus am Campus Nord.

Literatur (Auswahl):

Jacques Derrida: Das andere Kap [1991]

Nelson Goodman: Weisen der Welterzeugung [1978]

F. Hanusch/C. Leggewie/E. Meyer (Hg.): Planetar denken. Ein Einstieg. [2021]

Martin Heidegger: Die Zeit des Weltbildes [1938]

Alexandre Koyré: Von der geschlossenen Welt zum unendlichen Universum [1957]

Bruno Latour: Das terrestrische Manifest [2018]

Jean-Luc Nancy: Die Erschaffung der Welt, oder: die Globalisierung [2003]

Marshall Sahlins: Das Menschenbild des Westens – Ein Missverständnis? [2017]

Carl Schmitt: Der Nomos der Erde [1950]

Gayatri Ch. Spivak: Imperative zur Neuerfindung des Planeten [2013]

Semester: WiSe 2021/22

Interdependence of Structure and Mechanical Function in Biological Materials

Biological materials adapt their structure to functional needs. The lectures introduce relevant structural features from molecular to macroscopic scales using examples for materials based on proteins [1] or on polysaccharides, in particular cellulose [2] and chitin [3]. Some biological materials– like bone – are reinforced with minerals [4]. The importance of hierarchical assemblies [5] of building blocks, such as fibers [1] and tessellations [6] will be discussed. The lectures will be addressed to a pluridisciplinary audience, including sciences, design and cultural studies, and all required basics from biophysics and biochemistry to mechanics will be provided.

Materials:

[1] Harrington, M. J.; Fratzl, P.: Natural load-bearing protein materials. Progress in Materials Science(2021). https://doi.org/10.1016/j.pmatsci.2020.100767

[2] Eder, M.; Schäffner, W.; Burgert, I.; Fratzl, P.; Wood and the Activity of Dead Tissue. Advanced Materials (2020).https://doi.org/10.1002/adma.202001412

[3] Politi, Y.; Bertinetti, L.; Fratzl, P.; Barth, F.G. The spider cuticle: A remarkable material toolbox for functional diversity (2021)

[4] Reznikov, N.; Steele, J. A. M.; Fratzl, P.; Stevens, M. M.: A materials science vision of extracellular matrix mineralization. Nature Reviews Materials1, 16041 (2016). https://dx.doi.org/10.1038/natrevmats.2016.41

[5] Fratzl, P.; Weinkamer, R.: Nature's hierarchical materials. Progress in Materials Science52, 1263 - 1334 (2007). https://dx.doi.org/10.1016/j.pmatsci.2007.06.001

[6] Fratzl, P.; Kolednik, O.; Fischer, F. D.; Dean, M. N.: The mechanics of tessellations – bioinspired strategies for fracture resistance.Chemical Society Reviews45, 252 - 267 (2016). https://dx.doi.org/10.1039/C5CS00598A

Semester: SoSe 2021
Semester: SoSe 2021

Seinem didaktisch klingenden Titel zum Trotz ist das letzte von Gilles Deleuze und Félix Guattari gemeinsam geschriebene Buch „Was ist Philosophie?“ (1991, dt. 1996) keine Einführung, sondern eine komplexe Auseinandersetzung darüber, was Philosophie im Unterschied zu Wissenschaft und Kunst ausmacht. Das Seminar diskutiert entlang der Lektüre des Buchs das Vermögen von Philosophie, sich quer zu wissenschaftlichen Theorien und künstlerischen Praktiken zu verhalten und gerade dadurch zum Denken zu „nötigen“.
Das Seminar behandelt neben den philosophiegeschichtlichen Aspekten ebenso medien- wie wissenschaftstheoretische Fragestellungen und versteht sich als Baustein für eine noch zu schreibende Theorie des Kuratierens.

Literatur:
Gilles Deleuze/Félix Guattari, Was ist Philosophie? [1991]
Gilles Deleuze, Differenz und Wiederholung [1968]
Gilles Deleuze/Félix Guattari, Tausend Plateaus. Kapitalismus und Schizophrenie II [1980]

Semester: SoSe 2021

Friedrich Nietzsche gehört zu den bekanntesten westlichen Philosophen – und ist womöglich jener, der die breiteste Leserschaft auf sich vereinigen kann. Entsprechend vielfältig ist die Rezeptionsgeschichte: von der existenzialistischen und lebensphilosophischen, über die philologische und metaphysikkritische bis hin zur medienhistorischen, feministischen und postkolonialen Beschäftigung. Das Seminar geht den Gründen für die währende Faszination Nietzsches nach und nähert sich seinem Werk durch prominente Sekundärliteraturen, die ebenso viel über die Rezipient*innen und ihre Zeit wie über Nietzsche selbst erzählen. Hintergrund des Seminars ist eine geplante Ausstellung über die Bedeutung Nietzsches für die Gegenwart.

Literatur u.a.:
Judith Butler, Kritik der ethischen Gewalt [2002]
Michel Foucault: „Nietzsche, die Genealogie, die Historie“ [1971]
Arthur Danto; Nietzsche als Philosoph [1965]
Iris Därmann: „Nietzsche und die Sklaverei“ [2019]
Gilles Deleuze, Nietzsche und die Philosophie [1962]
Jacques Derrida: „Sporen. Die Stile Nietzsches“ [1972]
Martin Heidegger, Nietzsche [1961]
Friedrich Kittler: „Wie man abschafft, wovon man spricht: Der Autor von Ecce homo“ [1980]
Pierre Klossowski, Nietzsche und der Circulus Vitiosus Deus [2013]
Rudolf Kreis, Der gekreuzigte Dionysos [1986]
Sarah Kofman, Nietzsche und die Metapher [1961]
Achille Mbembe, Kritik der schwarzen Vernunft [2013]
Patricia Purtschert, Grenzfiguren. Kultur, Geschlecht und Subjekt bei Hegel und Nietzsche [2006]
Peter Tepe, Mein Nietzsche [1993]

Semester: SoSe 2021

Elfenbein ist als Kult-, Kultur- und Handelsobjekt seit Jahrtausenden bekannt. Wie kaum ein anderer Stoff ist es geeignet, das Verhältnis von Natur und Kultur zu problematisieren: von seiner Herkunft als Zahn des Elefanten bis hin zu seiner Nutzung als symbolische Insignie weltlicher Macht, von seinen ungewöhnlichen Eigenschaften bis hin zu den gesellschaftlich-politischen Implikationen seiner Verwendung.

In Vorbereitung zu der 2021 im Humboldt Forum eröffnenden Sonderausstellung „schrecklich schön. Elefant – Mensch – Elfenbein“ setzt sich das Seminar mit den möglichen kuratorischen Zugängen zu diesem Thema in seiner Verzahnung vom einzelnen Exponat über die Raumchoreographie bis hin zu den transdisziplinären Thesen und ihren Vermittlungsformen auseinander.

Teil des Seminars ist eine Exkursion zum Aufbau der Ausstellung sowie die Erarbeitung von Vermittlungsformaten für das Rahmenprogramm der Ausstellung.

Semester: WiSe 2020/21

Das Seminar untersucht anhand von Schlüsseltexten von der Antike bis zur Gegenwart die ambivalente Rolle der Lüge. Hierbei werden ebenso philosophische wie theologische, juristische wie zoologische Aspekte behandelt. Das Spektrum umfasst Motive der Verführung und bewussten Irreführung (Dissimulation), der Gemeinschaftsbildung und -zerstörung durch die Lüge, bis hin zu den aktuellen Diskussionen über Fake News und Fälschungen in Wissenschaft und Forschung.

Teil des Seminars ist eine Exkursion in die Ausstellung „Nach der Natur“ des Humboldt Labors im Humboldt Forum sowie die Erarbeitung von digitalen Inhalten für den Online-Auftritt der Ausstellung.

Semester: WiSe 2020/21
Semester: SoSe 2020

„Populär“ zu sein, ist ambivalent: Einerseits bedeutet es, eine breite Öffentlichkeit zu erreichen. Andererseits steht der Verdacht im Raum, das Niveau zu verflachen, Zusammenhänge unzulässig zu vereinfachen und auf eine Weise zu verführen, die mehr verschleiert als aufklärt. Zugleich steht außer Frage, dass Vermittlung unverzichtbar ist, um einen mündigen gesamtgesellschaftlichen Dialog über Inhalte und Implikationen von Wissenschaft und Forschung überhaupt erst möglich zu machen. Kultur- und Wissensvermittlung sollte dabei nicht als Einbahnstraße von Wissenden zu Unwissenden, von Expert/innen zu Laien verstanden werden, sondern als eine grundsätzlich gleichberechtigte Begegnung beider. Wissenschaftliche Erkenntnisse und Höhenflüge in Kunst und Kultur sind kein Zweck an sich, sondern haben sich je und je zu erklären. Die Forderung nach Popularität bietet für Wissenschaft und Forschung die Chance für eine produktive Distanznahme von den eigenen, disziplinär geprägten Denkweisen. Popularisierung kann dann auch heißen: sich selbst zur Diskussion stellen.

Eine Bedingung dafür ist die Etablierung der „halben Höhe“, wie Gilles Deleuze jene Vermittlungsebene genannt hat, die informativ und unterhaltend ist, ohne unpräzise zu sein; die Laien wie Experten nötigt, in eine mögende Distanz zu sich selbst zu treten. Die Vorlesung bewegt sich hierzu in einem Zickzack zwischen (philosophischer) Theorie und exemplarischen Fallstudien aus Literatur und Film, Architektur, Musik und Bildender Kunst. So fragt sie danach, ob Hermann Hesses „Steppenwolf“ Welt- oder Unterhaltungsliteratur ist, inwieweit Sofia Coppolas Film „Lost in Translation“ das Ergebnis einer Hegel-Lektüre ist oder warum die Geschichte des Berliner Lustgartens die Blaupause für die bis heute gültige Vorstellung sozialer Sinngebung sein könnte.

Einen Fluchtpunkt der Vorlesung bildet der museale Raum als Kreuzungs- und Umschlagspunkt gesellschaftlicher Evidenzen und Sinngebungsversuche, als Ort einer „sozio-pädagogischen Szenografie“ (Derrida) in Richtung auf eine noch zu schreibende Theorie des interdisziplinären Kuratierens.

Literatur:

Mieke Bal, Kulturanalyse, Frankfurt am Main 2002.

Maurice Blanchot, Der Gesang der Sirenen. Essays zur modernen Literatur, Frankfurt am Main 1988 [1959].

Pierre Bourdieu/Alain Darbel, Die Liebe zu Kunst. Europäische Kunstmuseen und ihre Besucher, Konstanz 2006 [1966/69].

Dietmar Dath, Niegeschichte. Science Fiction als Kunst- und Denkmaschine, Berlin 2019.

Gilles Deleuze/Félix Guattari, Was ist Philosophie?, Frankfurt am Main 1993 [1991].

Jacques Derrida, Privileg. Vom Recht auf Philosophie I, Wien 2003 [1990].

Jacques Derrida, Mochlos oder Das Auge der Universität. Vom Recht auf Philosophie II, Wien 2004 [1990].

Jacques Derrida: Artaud Moma. Ausrufe, Zwischenrufe und Bemerkungen, Wien 2003 [2002]

Denis Diderot, Schriften zu Kunst, Berlin/Hamburg 2005 [1749 u.a.]

Jean-Luc Godard, Einführung in eine wahre Geschichte des Kinos, Frankfurt am Main 1984 [1980].

Werner Hamacher: „Ausstellungen der Mutter. Kurzer Gang durch verschiedene Museen“, in: Thomas Schestag (Hg), ‚geteilte Aufmerksamkeit‘. Zur Frage des Lesens, Wien/New York/u.a. 1997, S. 53-90.

Georg Wilhelm Friedrich Hegel: „Wer denkt abstrakt?“, in: ders, Jenaer Schriften 1801-1807. Werke 2, Frankfurt am Main 1986, S. 575-581 [1807].

Klaus Heinrich, Dahlemer Vorlesungen. Zum Verhältnis von ästhetischem und transzendentalem Subjekt. Karl Friedrich Schinkel/Albert Speer, Berlin 2015 [1978].

Eva Horn/Lucas Marco Gisi (Hg.), Schwärme. Kollektive ohne Zentrum, Bielefeld 2009.

Immanuel Kant, Die Metaphysik der Sitten, Werkausgabe Bd. VIII, Frankfurt am Main 1977 [1797].

Friedrich Kittler, Draculas Vermächtnis. Technische Schriften, Leipzig 1993.

Alexandre Kojève, Hegel. Kommentar zur Phänomenologie des Geistes, Frankfurt am Main 1975 [1947].

Jacques Lacan: „Die Wissenschaft und die Wahrheit“, in: ders., Schriften II, Weinheim/Berlin 1986, S. 231-257 [1966].

Ethel Matala de Mazza, Der populäre Pakt. Verhandlungen der Moderne zwischen Operette und Feuilleton, Frankfurt am Main 2018.

Anne Sauvagnargues, Ethologie der Kunst, Deleuze, Guattari und Simondon, Berlin 2019.

Eugene Thacker: „Vermittlung und Antivermittlung“, in: Erich Hörl (Hg.), Die technologische Bedingung. Beiträge zur Beschreibung der technischen Welt, Berlin 2011, S. 306-332.

Beispiele aus Kunst und Kultur (Auswahl):

Jean-Luc Godard: Une femme mariée / Eine verheiratete Frau (Kinofilm, 1964)

Pink Floyd: The Dark Side of the Moon (Musik, 1973)

Fancis Alÿs: When Faith moves mountains (Videokunst, 2002)

Sofia Coppola: Lost in Translation (Kinofilm, 2003)

Javier Téllez: Letter on the Blind For the Use of Those Who see (Videokunst, 2008)

Future: Mask off (Musik, 2017)

Semester: SoSe 2020

Der Text der Philosophin Isabelle Stengers stellt eine zunächst ganz einfache Frage, die bei genauerem Hinsehen jedoch äußerst schwer zu beantworten ist. Entlang der gemeinsamen Lektüre fragt das Seminar danach, inwieweit und mit welchen Mitteln es überhaupt möglich ist, in – kritische oder mögende – Distanz zum szientifischen Denken und Urteilen zu treten. Woher können die Kriterien und Argumente kommen, wenn Wissenschaftlichkeit die Basis aller Rationalität sein soll? Sind es Kunst, Kultur, der gesunde Menschenverstand, die Tradition oder gar Politik und Religion? Wie lässt sich wiederum die Kritik an der Wissenschaft beurteilen, und wer kann hierfür Kompetenz für sich beanspruchen?

Das Seminar setzt die vorbereitende Lektüre der Kapitel des Buches voraus und die Bereitschaft, sich aktiv an der Diskussion zu beteiligen. Im Verlauf des Semesters werden zur Vorbereitung der jeweils kommenden Sitzung Kurzreferate (à max. 10-15 min) vergeben, die der Erläuterung von direkten oder indirekten Referenzen im Text dienen.

Angestrebt ist, das Seminar im WS 20/21 fortzuführen und die Seminarergebnisse in Form einer kleinen Ausstellung oder einem anderen zu definierenden Vermittlungsformat im Rahmen der Eröffnung des Humboldt-Labors im Humboldt Forum zu präsentieren.

Literatur (Auswahl):

  • Textgrundlage: Isabelle Stengers: Wem dient die Wissenschaft?, München 1998 [1997]

Weitere Literatur:

  • Isabelle Stengers, Spekulativer Konstruktivismus, Berlin 2008 [2004/5]
  • Lorraine Daston/Peter Galison: Das Bild der Objektivität“, in: Peter Geimer (Hg.), Ordnungen der Sichtbarkeit. Fotografie in Wissenschaft, Kunst und Technologie, Frankfurt am Main Main 2002 [1991], S. 29-99
  • Bruno Latour, Wir sind die modern gewesen. Versuch einer symmetrischen Anthropologie, Frankfurt am Main 1998 [1991]
  • Hans-Jörg Rheinberger: „Natur, NATUR“, in: ders., Iterationen, Berlin 2005 [1995], S. 30-50
  • W.G. Sebald, Nach der Natur. Ein Elementargedicht, Frankfurt am Main 1995
  • Michel Serres, Der Naturvertrag, Frankfurt am Main 1994 [1990]

Semester: SoSe 2020

At the core of this seminar lies the idea of books as a means of storing knowledge. While we traditionally tap into these reservoirs by getting lost in a good book, the raise of digital
methods in humanities gives us new opportunities to have a more quantitative access to textual data. As with any new method and technology, this brings novel types of obstacles,
inequalities, and valid criticism. The seminar aims at empowering students to understand both the possibilities as well as pitfalls of distant reading methods, both statistical and in
the field of machine-learning by providing perspectives from the data science and critical theory. Within collaborative hands-on projects, students will work with every aspect of
the distant reading pipeline and use text corpora of their own interest, pursuing their own research questions.

The seminar requires no prior experience in coding or other technical skills. Basic usage of a computer and a personal laptop are required. The interdisciplinary seminar is aimed
at students from humanities, who are interested in practical knowledge of digital methods, and students from technical domains, who are interested in critically assessing their digital skills.

Semester: SoSe 2020
Semester: Semesterübergreifende Kurse