Semester: SoSe 2024
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Um 1800 wurde das Landschaftsbild zum Experimentierfeld für die moderne Malerei. Am Beispiel der Kunst von Turner soll in der Vorlesung gefragt werden, welche Vorstellungen, Kräfte und Praktiken das Naturbild zu dieser Zeit bestimmten und welche Möglichkeiten sich darüber für die Gestaltung von Kunstwerken ergaben. Neue Formen der Landschaftsmalerei bedingten neue Formen der Verfügbarkeit über die Natur und umgekehrt. Im Zentrum steht daher die Frage nach der Beziehung von Landschaftswahrnehmung und Naturkonzeptionen, die sich zu diesem Zeitpunkt herausbildeten und im Grunde bis heute unser Verhältnis zur physischen Umwelt prägen.

Literatur: Werner Busch (Hg.): Landschaftsmalerei, 1997; Sam Smiley, J.M.W. Turner, 2007; Hermann Arnhold (Hg.), Turner. Horror and Delikat, 2019; Sam Smiley, The Late Works of J. M. W. Turner, 2020.

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Im deutschsprachigen Raum wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Neuausrichtung des Kunstgewerbes, vor allem durch den Deutschen Werkbund, vorangetrieben. Viele der damals entstandenen Produkte werden heute als „Design“ gehandelt. Das Seminar setzt sich zum Ziel, einerseits anhand ausgewählter Beispiele einen Einblick in die Gestaltungspraxis zu geben und andererseits über einschlägige Quellentexte die Verhandlung des Stellenwerts des Kunstgewerbes im Kunstfeld zu vermitteln. Dadurch sollen Grundlagen der designhistorischen Forschung erarbeitet werden. Die Kunstschulreform, verschiedene Publikationsformate, Unternehmen, Netzwerke und Ausstellungen spielen dabei eine Rolle und sollen in die Betrachtung ebenso einbezogen werden wie (kunst-)historische Voraussetzungen und anschließende Entwicklungen. In designhistorischer Perspektive soll außerdem reflektiert werden, wie einzelne Entwürfe und Produkte anschließend rezipiert und kanonisiert wurden.
Das Seminar sieht Übungen vor Originalen im Rahmen eines Exkursionstags in die verschiedenen Berliner Kunstgewerbemuseen vor (Bröhan Museum, Kunstgewerbemuseum der SMB, Werkbundarchiv/Museum der Dinge, the temporary Bauhaus Archiv/Museum für Gestaltung).
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In dieser praxisorientierten Lehrveranstaltung sollen Zeichnen und Schreiben als offene Arbeitsweisen erprobt werden. Wir werden uns hierzu mit dem Künstler Peter Wächtler und seiner Klasse für Grafik an der HfBK Dresden zusammentun und uns am 10. und 11. April zwei Tage lang auf die Spuren Adolph Menzels in Berlin begeben. In diesem Rahmen wird uns die Autorin Kirsty Bell eine Stadtführung geben.

Der erste Tag ist dem Zeichnen gewidmet, der zweite dem Schreiben über Zeichnungen. Praktische Übungen werden ergänzt durch Führungen; Menzels Arbeitsweise zwischen Manie und Überforderung dient als loser Bezugspunkt für unser Nachdenken über das Skizzieren und für den Abgleich künstlerischer und kunsthistorischer Perspektiven.

Die Lehrveranstaltung bietet keine Anleitung zum akademischen Zeichnen sondern einen Rahmen für die Erkundung von Zeichnen und Schreiben als Praktiken der Sensibilisierung und Teilnahme. Das zweitägige Programm mit Peter Wächtler und seiner Klasse wird gerahmt durch eine Einführungs- und eine Abschlusssitzung mit Jakob Schillinger für HU-Studierende am 06. bzw. 13. April 2024.

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Religiös legitimierte Gewalt ist ein gegenwärtiges Phänomen erschreckenden Ausmaßes. Fanatismus und Grausamkeit gehören zu ihren treibenden Kräften. Sie ist zugleich ein Phänomen, das auch in der westlichen, christlich geprägten Kultur historisch tief verankert ist. Glaubenskriege im großen Stil sowie gewaltsame Übergriffe im Lokalen gab es schon im Mittelalter. Es wäre fatal zu glauben, dass wir dieses Erbe hinter uns gelassen haben. Religiöse Auffassungen von Opfer und Märtyrertum, seelischer und körperlicher Strafe, Rache und Vergeltung wirken bis heute in die soziale und politische Wirklichkeit hinein, und dies nicht zuletzt durch das kollektive Gedächtnis von Gewaltdarstellungen in der Kunst. Die Übung wird sich mit dieser Thematik anhand ausgewählter mittelalterlicher Bilder und Objekte beschäftigen. Die Komplexität des Themas wird ein beträchtliches Zeitpensum für die begleitende Lektüre von Quellen und Beiträgen aus der Sekundärliteratur erfordern.

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Religiös legitimierte Gewalt ist ein gegenwärtiges Phänomen erschreckenden Ausmaßes. Fanatismus und Grausamkeit gehören zu ihren treibenden Kräften. Sie ist zugleich ein Phänomen, das auch in der westlichen, christlich geprägten Kultur historisch tief verankert ist. Glaubenskriege im großen Stil sowie gewaltsame Übergriffe im Lokalen gab es schon im Mittelalter. Es wäre fatal zu glauben, dass wir dieses Erbe hinter uns gelassen haben. Religiöse Auffassungen von Opfer und Märtyrertum, seelischer und körperlicher Strafe, Rache und Vergeltung wirken bis heute in die soziale und politische Wirklichkeit hinein, und dies nicht zuletzt durch das kollektive Gedächtnis von Gewaltdarstellungen in der Kunst. Die Übung wird sich mit dieser Thematik anhand ausgewählter mittelalterlicher Bilder und Objekte beschäftigen. Die Komplexität des Themas wird ein beträchtliches Zeitpensum für die begleitende Lektüre von Quellen und Beiträgen aus der Sekundärliteratur erfordern.

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Der Knochen eines Mammuts mit der Jahreszahl 1443 im Wiener Stephansdom; die heilige Lanze im Reichskreuz, einer Herrscherinsignie des Heiligen Römischen Reiches; Bildzyklen zum Leben der Heiligen und Märtyrer – die Artefakte, die im Mittelalter Legenden und Mythen erschufen, stützten und veranschaulichten, konnten unterschiedlichster Art sein. Der Knochen führte in vergangene Zeiten, die weit jenseits des 15. Jahrhunderts lagen. Die Lanze, die angeblich Christus am Kreuz in die Seite gestochen hatte, legitimierte das sakrale Herrschertum. Die Bildzyklen vergegenwärtigten die Heilstaten und den Leidensweg vorbildhafter Menschen. Die Objekte waren verschiedenster Herkunft und Beschaffenheit – Dinge der Natur sowie menschlicher Fertigung – und erhielten spezifische Orte, etwa den öffentlichen Kirchenraum oder die Räume der Eliten. Jedes von ihnen aber trug dazu bei, kollektive Identitäten und gesellschaftliche Ordnungen herzustellen.

Das Seminar wird sich mit der Frage beschäftigen, mit welchen Mitteln und Praktiken Mythen und Legenden in den Artefakten vergegenwärtigt wurden. Es wird mit einer Begriffsarbeit zu ‚Mythos‘ und ‚Legende‘ beginnen und dann einzelne Objekte in ihrem jeweiligen gesellschaftlichen Kontext untersuchen. Ein besonderer Fokus wird auf der (künstlerischen) Bearbeitung und Gestaltung der Gegenstände liegen.

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It’s no exaggeration to note that queers have long been at the forefront of innovation in the arts, and that the arts, generally, have been a comfortable home for queers, even at moments when society at large was distinctly hostile. In fact the concepts of modern art and homosexuality that we use today are twins, for they were both founded in the third quarter of the 19th century and grew up together. Queer American Art from Eakins to the Present thus begins with the coining of the word “homosexual” in 1869, and surveys how painting, sculpture, poetry, music, and film shifted in response to that development up until the new millenium. We will study the work of such prominent American artists as John Singer Sargent, Gertrude Stein, Georgia O’Keeffe, Robert Rauschenberg, Jasper Johns, Agnes Martin , Andy Warhol, Robert Mapplethorpe and Paul Thek.

Along the way, we will work towards answering two related questions: 1) Why were queer creators largely responsible for the introduction of modernity in American art and 2) why do we so often find that queer social and political dissent found form in, and as, aesthetic dissent as well?  In creating new forms for art that often seem far removed from any traditional definition of sexuality, queer artists pushed the boundaries of normativity, leading to new ways of seeing, hearing, feeling and thinking that often dared to encode queer meanings as part of their formal innovation. Were queer artists driven by a utopian hope that in a more modern world, the egregious homophobia/transphobia of the past would finally be no more? And finally we will ask about the social and political usefulness of forms of queer political dissent if those forms still remain illegible as queer to a wider audience. Throughout, new methods informed by queer, gender, and critical race theory will be utilized.


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At the zenith of the civil rights movement in the USA and de-colonizing movements in Africa, the Carribean  and Asia, just prior to the advent of second wave feminism, gay and lesbian liberation, and other social movements linking political liberation to embodied physical differences, something new was born. There arose a new vision of the body as precisely the obverse of how we now consider it—a single, universal human body shared by all, ungendered, unraced, unsexed. This new body-in-common, unmarked even by such core physical differences as biological sex, became legible as radically dissident under a new political ideology that has thus far largely escaped historical attention: Eros. As a potent challenge to a number of repressive orthodoxies, not least capitalism, Eros was also, perhaps not surprisingly, a central theme in a number of art works of the period, from Carolee Schneemann’s nude performances to Claes Oldenburg’s erotic public sculpture, Yayoi Kusama’s immersive environments, Helio Oticica’s Tropicales and Kenneth Anger’s films.

This course examines the relationship among art, sex, gender and revolution from the vantage point of Eros’ brief historical moment, a vista now largely obscured by our contemporary fixation on a politics of social distinction and bodily difference. Reading the work of Herbert Marcuse, Susan Sontag, Norman O Brown and others, we will also study the art, film and performance of such key figures as Yoko Ono, Jack Smith, Franz Erhardt Walters and Rebecca Horn.  As such, this period constitutes both the theoretical prehistory of the sexual revolution, as well as perhaps the defining episode in our ongoing transubstantiation of flesh into politics.

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Ziel der Tagesexkursionen zu Beginn des Sommersemesters ist es, einen Überblick über die Geschichte der Sepulkralkultur in Berlin-Brandenburg vom Mittelalter bis in die Gegenwart zu vermitteln (Einführungstag am 10.4.24 obligatorisch!) und charakteristische Beispiele der räumlichen Inszenierung des Totengedenkens vor Ort zu analysieren (4 Exkursionstage). 

Die Beiträge der Studierenden werden in Friedhofs-Führungen in und außerhalb Berlins bestehen.

Exkursionstermine: 20.04., 27.04., 28.04., 01.05.2024

Vorbesprechung: Mittwoch, 10.04.2024, 10-15 Uhr, Raum 3.30, Georgenstraße 47

Teilnahmebegrenzung: 20 Personen

Bitte um Anmeldung bis Dienstag, 09.04.2024, per E-Mail an: kuhrkema@hu-berlin.de.

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Das Seminar befasst sich aus kunst- und bildgeschichtlicher Perspektive mit dem Werk der 2022 verstorbenen britischen Modedesignerin und Aktivistin Vivienne Westwood.

In den 1970er Jahren begann sie mit ihrem Lebensgefährten Malcom McLaren (späterer Produzent der Sex Pistols) Kleidung für die Subkultur der damaligen Londoner Jugend zu entwerfen. Die Westwood-Ästhetik prägte eine ganze Generation; bis heute gilt sie dank ihres Frühwerkes als „Mother of Punk“. In den 80er Jahren professionalisiert sich ihre anarchistische Mode; Konzeptkollektionen sowie erste Kollaborationen (z.B. mit Keith Haring) folgten.

Mit ihren Kollektionen der 1990er Jahre gelang der internationale Durchbruch: Westwood verarbeitete zunehmend die britische Modegeschichte, die royale Kostümgeschichte Englands und Frankreichs sowie die Kunstgeschichte - vor allem des Barocks - in ihrem Modeentwürfen. Später trat die Ritterin des britischen Empires vor allem für Menschenrechts- und Umweltbelange ein. Zudem begründete Westwood eine Produktionslinie in Kenia und errichtet dort soziale Wohn- und Bildungsprogramme für ihre Näherinnen. Zunehmend werden Accessoires aus recycelten Materialen hergestellt.

Im Seminar sollen Westwoods Werdegang und ihre Wegbegleiter, ihre berühmtesten Entwürfe, Modenschauen, Accessoires und Produktlinien, aber auch ihr Umwelt- und Menschenrechtsaktionismus vor dem Hintergrund ihrer internationalen Rezeption (Comics, Filme, etc.) betrachtet und analysiert werden.




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In diesem Seminar soll die – über lange Zeit vielfach ausgegrenzte – Kunstszene in der DDR von der Nachkriegszeit bis in die 1980er Jahre betrachtet werden. Es geht dabei um die Funktionen und die Bedingungen der Kunstentstehung, -vermittlung und -rezeption in der Zeit des Kalten Krieges. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung der Kunstzentren Berlin, Leipzig und Dresden sowie die Herausbildung neuer, inoffizieller Produktions- und Ausstellungsorte im Spannungsfeld von Kunst- bzw. Künstlerförderung vs. individuellem Schaffen.

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Auf dieser viertägigen Exkursion innerhalb Berlins schauen wir uns gemeinsam Ausstellungen zeitgenössischer Kunst in unterschiedlichen Institutionen in Berlin an (kommerzielle Galerien, Projekträume, Museen) und diskutieren nicht nur die Werke, sondern auch den Kontext und seine bedeutungskonstituierende Funktion.

Vorbesprechung: Freitag, 19. April 2024, 14.00–16.00 Uhr, Raum 3.16, Georgenstraße 47

Exkursionstermine vor Ort:

Freitag und Samstag, 10. und 11. Mai 2024, ganztägig

Freitag und Samstag, 24. Und 25. Mai 2024, ganztägig

Teilnahmebegrenzung: 12 Personen


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Das Kolloquium dient der Vorbereitung der Abschlussarbeit.

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Much new literature in the field of Early Modern art history and visual culture has focused on the impact of novel materialities in this era. Many of these materials were introduced by shifts in commercial and trade routes connecting different parts of the globe, by technological breakthroughs and by the circulation of knowledge. The breadth and revolutionary impact of of new materials in late medieval and Early Modern Europe are manifold, if one considers, for example, the history of paper, a material made from cotton and linen rags that became widespread in Europe only in the fifteenth century. Some materials had been known for centuries but were given new life: porphyry, for example, was a stone quarried in Egypt that had been a prestigious medium for sculpture in antiquity, but which was revived in the sixteenth century, after new technologies of stone cutting were developed. The production of high-quality canvas in Venice to make sails popularised the use of this support in painting, leading to innovations of vast significance for the history of art. Pigments and dyes imported from the Americas were used for the first time in Europe, notably red dyes made from materials native to the Americas: dyes extracted from brazilwood or from cochineal insects. There are numerous other examples of material novelties, even sugar (which became more easily available only in the 15th century in Europe) could be an artistic medium when it was used to create sculptures for elite banquets.

We will consider objects and art works made in metals, in natural materials, and in rare, precious materials such as rock crystal, coloured marble, coconut shell, silk, feathers, ivory, gold, mother of pearl, or porcelain. Some of these materials were novel in the Early Modern era, some were made more accessible, some were imitated, produced or worked in new ways. We will focus on the material properties of objects and art works, the role of global trade networks, innovations in artistic production, and shifts in the cultural meanings of materials.

Materials open up an alternative history of the visual arts, offering insight into connected histories and artistic 'geographies'. By looking at objects and materials which traveled between Europe and the Americas, Africa and Asia, within trade networks, as part of a market for luxury goods and rarities, or as part of the exchange of diplomatic gifts, one can gain new perspectives and imagine alternatives to a traditional history of art, in which artistic culture is defined by the political boundaries of nation-states.

Recent research that will be considered include the exhibition 'Albrecht Dürer's material world', or studies about global art histories and connected histories (such as The Global Lives of Things. The Material Culture of Connections in the Early Modern World, 2016) and Tales Things Tell: Material Histories of Early Globalisms, 2023). We will also consider the gender dimensions of Early Modern material culture with reference to the book Cinderella's Glass Slipper: Towards a Cultural History of Renaissance Materialities, 2022), a study of objects in the 'feminine' sphere in an early era of European colonialism (e.g. textiles, perfumes, jewellery, sugar, and diamonds).

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In Summer 2024 (26.4.24-4.8.24) the Staatliche Museen zu Berlin are holding a major exhibition devoted to the drawings of the Dutch artist Maarten van Heemskerck.

This seminar will be centered on these drawings, which Van Heemskerck executed on a study trip to Rome in the 1530s. It will consider the precedent set by Jan van Scorel, a senior artist who made a pilgrimage and study trip to Rome in the 1520s and who inspired Van Heemskerck to do the same. The focus will then turn to Van Heemskerck's journey to Rome, 1532-1536/37, and the fascinating drawings he made of the city's antiquities, landscape, collections, and churches, including St Peter's Basilica when it was still under construction.

Most of Van Heemskerck's drawings have been preserved in two albums in the Berlin Kupferstichkabinett. Important new research in the last 15 years has shed light on these famous drawings, which used to be prized primarily for their supposed documentary value. New methods however have focused on the combination of accuracy and fantasy in Van Heemskerck's graphic work, the variety of techniques he employed, the interaction between his oeuvre as a painter and draughtsman, as well as the impact of his network of acquaintances in Rome.  We will consider these issues, as well as the commissions Van Heemskerck received in Rome from important patrons. Comparative examples of other Northern European and Italian artists and their approaches will be explored.

The seminar will review the recent literature on Van Heemskerck and assess the new discoveries presented in the exhibition. It will consider the wider context of Van Heemskerck's artistic milieu and his try to gain insight into his perspective as a Northern European artist in Rome in the 1530s, shortly after the Sack of 1527 and in the midst of the Protestant Reformation.


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Die Antithese zur Kunst als Ideal einer sich selbst verwirklichenden, individuellen, schöpferische Arbeit und dem damit verbundenen Mythos des Genies ist im marxistischen Sinne die entfremdete Arbeit des Proletariers. Die Kunsthistorikerin Griselda Pollock geht einen Schritt weiter und meint, dass "das vollständige Gegenteil" dieses Ideals "die repetitive und sich selbst immer wieder auflösende Plackerei der ´Frauenarbeit´ ist.“ (1982) Insbesondere in der zweiten Welle der Frauenbewegung wurden die gesellschaftlichen Bewertungen von Arbeit und die gängigen Vorstellungen von Produktivität und Leistung einer umfassenden Analyse und Kritik unterzogen. Hingewiesen wurde beispielsweise auf den blinden Fleck in Karl Marx’s Kritik der politischen Ökonomie und aufgezeigt, inwiefern sich unbezahlte Haus- und Care-Arbeit als Bestandteil einer langfristigen, kapitalistischen Strategie erwiesen hat. Die Ausbeutung des Lohnarbeiters durch die „ursprüngliche Akkumulation“ (Marx) beruhe letztlich auf der Ausbeutung derjenigen, die die gesellschaftliche Arbeitskraft „in physischer, sexueller und emotionaler“ Hinsicht reproduzieren und aufrechterhalten (Dalla Costa 1973, Federici/Cox 1975). Solche Reflexionen fanden ihren Ausdruck nicht nur in Politik und Theorie, sondern auch in einer feministisch motivierten Kunst- und Filmproduktion. Anders als andere gesellschaftlich diskriminierte Bevölkerungsgruppen waren die Frauen sowohl in den Museen wie auch vom marktbeherrschenden US-Kino nicht ausgeschlossen als vielmehr hyperexponiert. Ihre Präsenz war jedoch begrenzt auf das passive Dasein als Schauobjekt: "I was permitted to be an Image, but not an Image-Maker creating her own self-image“ (Carolee Schneemann, Filmemacherin). Im Zuge der diversen Gegenkulturen der 60er Jahre und den damit verbundenen Selbstermächtigungen wurden den klassischen Narrativen und (Geschlechter-) Rollen, alternative Produktionsweisen, Geschichten, Wahrnehmungs- und Darstellungsformen wie auch Identifikationsstrategien entgegengestellt. Im Zentrum des Seminars steht der Versuch, ausgehend von feministischen Initiativen der 70er Jahre - Texten und Werken der bildenden Kunst sowie des Kinos - den Zusammenhang von Kunst und (weiblicher) Arbeit zu untersuchen und diesen zum Anlass zu nehmen, dominante Dichotomien männlich-weiblich, aktiv-passiv, blicken-erblickt werden, produktiv-unproduktiv zu durchqueeren

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