Kurseinschreibung

Ursprungserzählungen haben etwas Faszinierendes, mitunter Verstörendes, zuweilen auch Tröstendes. Sie begleiten die Menschheit von Beginn an und kommen in nahezu allen Weltregionen und zahlreichen Diversifikationen vor. Doch was unterscheidet die mythischen Ursprungserzählungen im transnationalen und interreligiösen Vergleich? Welche Vorstellungen vom Kosmos und seiner Ordnung, vom Eigenen und Fremden, von Geschlechtlichkeit und sozialem Miteinander, von Natur- und Kulturverhältnissen wurden mit ihnen je entworfen? Und was können wir heute (noch) damit anfangen? Inwiefern ordnen sich die uns bekannteren monotheistischen Ursprungserzählungen hier ein – sind sie etwa besonders gewaltsam, wie Jan Assmann meint, weil es in ihnen nur einen einzigen Gott geben darf? Welche Geschlechtervorstellungen verknüpften sich mit der berühmten Paradieserzählung von Adam und Eva und wirken bis heute nach? Welche (religiösen) Ursprungsmythen gingen in Kolonialismus und Nationenbildungsprozesse und deren (gewaltsame) Homogenisierungsprozesse ein? Warum wurde gerade im 19. Jahrhundert über die Frage eines matriarchalen oder patriarchalen Ursprungs der Gesellschaft wissenschaftlich so intensiv gestritten? Welche genealogischen Phantasmen dienten der Idee vom „Dritten Reich“ und prägen neurechtes Denken bis in die Gegenwart? Und welche theoretischen Einsätze führten schließlich im 20. Jahrhundert zur radikalen Infragestellung von Ursprungserzählungen? Im Seminar werden wir gemeinsam eine Auswahl aus diesem breiten Spektrum von Fragestellungen treffen und uns einen ersten Zugang zum faszinierenden Thema der Ursprungsmythen erarbeiten. (Das Seminar eignet sich auch gut dazu in Kombination mit der Vorlesung „Das Fremde im Eigenen“ belegt zu werden.) Beginn: 22.4.

Semester: SoSe 2024
Selbsteinschreibung (Teilnehmer/in)
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