Eine klassische Erzählung der europäischen Geschichte lautet, dass Nationalismus ein Phänomen der Moderne ab 1800 ist. Durch Massenmedien und militärische Mobilisierung wurde nach dieser Deutung der Nationalismus erst spät ‚erfunden‘. Gleichzeitig ist deutlich, dass es auch im frühneuzeitlichen Europa Varianten eines nationalen Bewusstseins und Elemente einer politischen Nutzung der Nationssemantik gibt. Wir wollen im Seminar ausgehend von v.a. deutschen und englischen Quellen vom 16.-18. Jahrhundert diskutieren, wie das frühneuzeitliche Nationalbewusstsein sich entwickelte, welche Bedeutung es hatte, wie es sich zu anderen Phänomenen verhält (Humanismus, Religion, imperiale Vorstellungen, Region), mit welchen Analysebegriffen man am sinnvollsten darüber sprechen kann und in welchem Verhältnis der frühneuzeitliche zum modernen ‚Nationalismus‘ steht.

Literatur:

Langewiesche, Dieter, ‚Nation‘, ‚Nationalismus‘, ‚Nationalstaat‘ in der europäischen Geschichte seit dem Mittelalter – Versuch einer Bilanz, in: Föderative Nation. Deutschlandkonzepte von der Reformation bis zum Ersten Weltkrieg, hg. v. Dieter Langewiesche/Georg Schmidt, München 2000, 9-30.

Semester: WiSe 2020/21