Medizin und Medien beziehen sich in vielfacher Hinsicht aufeinander: Aktuelle medizinische Entwicklungen und Innovationen werden medial verhandelt, thematisch beliebt ist außerdem die Darstellung von Krankheiten und deren Auswirkungen auf individuelle Lebensverläufe. Zugleich ‚wirken‘ all diese medialen Verhandlungen „wiederum auf die Medizin“ ‚zurück‘ (O. Jahraus, 2012). Wie solche Rückkopplungseffekte genau aussehen und welche unterschiedlichen Funktionen den Medien dabei zukommen, möchte das SE an einschlägigen Beispielen aus der Populärkultur der Gegenwart ausloten. Weil Neuerungen in der Medizin (man denke nur an das Beispiel des sog. social freezing) ebenso wie unerwartete Diagnosen Auswirkungen auf die Zeitlichkeitsvorstellungen des/der einzelnen oder von Personengruppen haben und weil Gesundheit landläufig als fundamentale Ermöglichungsbedingung eines ‚gelingenden Lebens‘ gilt, interessiert sich das SE v.a. für jene sich wandelnden lebenszeitlichen Strukturvorstellungen, die im Rahmen der „Medienmedizin“ (H.-J. Wulff, 2001) beobachtbar werden. – Die Auswahl der zu behandelnden Texte soll in enger Absprache mit den Teilnehmer/innen in der ersten Sitzung erfolgen. Bitte bringen Sie dafür Vorschläge mit.

Zur Vorbereitung empfohlen: H,-J. Wulff: Fernsehen als Agentur einer naiven Medizin: Narrativisierung, Dramatisierung, Ideologisierung. In: Medienbilder. Dokumentation des 13. Film- und Fernsehwissenschaftlichen Kolloquiums an der Georg-August-Universität Göttingen. Oktober 2000, hg. von J. Türschmann und A. Paatz. Hamburg 2001. S. 247-260; O. Jahraus: Semiotische Pathologie. Zum Zusammenhang von diagnostischer Semiotik und medialer Ästhetik. In: Jahrbuch Literatur und Medizin Bd. V (2012). S. 119-131.

Semester: SoSe 2020