Raum 1.201

Die Jüdin ist eine literarische Projektionsfigur der Moderne. Ob bei der schönen Jüdin oder in antisemitischen Konstruktionen, oft ist es ein Blick von außen, der Vorstellungen von Weiblichkeit und jüdischer Identität in der Figur zusammenbringt.

Das Seminar möchte jüdisch-weibliche Selbstentwürfe in den Mittelpunkt stellen und fragen, welche fiktiven Lebenswelten ausgehandelt werden, wenn die Erzählte selbst zur Erzählerin wird.

Das Seminar verfolgt dabei einen intersektionalen Ansatz, der die Kategorien Gender und Jüdischsein nicht nur als miteinander verwoben, sondern füreinander konstitutiv begreift. Ausgehend von der Annahme, dass die „Identifizierbarkeit des ‚Jüdischen‘“ (Mayer/Podewski 2009, 7) zunächst problematisiert werden muss, sollen Kategorisierungen wie weiblich, männlich, jüdisch, deutsch, deutsch-jüdisch als literarische (und literaturwissenschaftliche) Vorannahmen hinterfragt werden.

In sieben Doppelsitzungen widmet sich das SE anschließend unterschiedlichen Schwerpunkten, Texten und Autor*innen rund um die Thematik literarischer (Selbst)Entwürfe jüdischer Weiblichkeit. Beginnend bei der innerjüdischen sowie christlichen Außenperspektiven auf die Figur der Jüdin bis hin zu der Mädchenliteratur der Haskalah, rücken im Verlauf Texte bekannterer und marginalisierter Autor*innen in den Fokus. Gegenstand sind beispielsweise Identitätsentwürfe in Metropole und Provinz in Deutschland, Osteuropa und Palästina (Lili Grün, Vicki Baum, Sarah Rappeport). Die jüdische Frauenbewegung sowie jüdisch-lesbische Perspektiven (Charlotte Wolff, Annette Eick) während der Weimarer Republik sollen ebenfalls in den Fokus genommen werden. Ferner möchten wir Zeitschriftenliteratur Blätter des Jüdischen Frauenbundes* (1924-1938), Die jüdische Frau (1925-27)) sowie die weiblichen Stimmen im Zionismus und in der Jugend-Alijah näher beleuchten.

In der letzten Sitzung sollen in einem Gespräch mit einem externen Gast berufspraktische Perspektiven rund um das Verlegen von Literatur historischer und zeitgenössischer deutsch-jüdischer Autorinnen diskutiert werden.

Es werden verschiedene Arbeitsleistungen in Gruppenarbeit (Referat oder Powerpointpräsentation) sowie Einzelarbeit (Essay, Thesenpapier) angeboten, aus denen zu Beginn des Semesters eine ausgewählt werden kann.

Semester: SoSe 2021